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Bericht Jubiläums-Hessenregatta 2011

"Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön ..."

Nach mehr als einem Jahrzehnt Abstinenz war es soweit, die Berichte, Bilder und Videos der Hessenregatta-Gewinner hatten mich überzeugt, so dass ich mich 2011 als Crew-Mitglied für die 20. Hessenregatta bei Skipper Klaus angemeldet habe. An so einem Jubiläum wollen natürlich viele Segler teilnehmen, so dass die begehrten Plätze und Yachten sehr schnell voll waren. 80 gemeldete Schiffe und knapp 350 Teilnehmer sollten es am Ende sein, darunter neben unserem Schiff noch die beiden weiteren Inheidener Crews von Skipper Matthias Haro und Skipperin Petra Rodinger.

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Das von Klaus gemietete Schiff war eine Salona 40 Race vom Charterzentrum Heiligenhafen und hörte auf den schönen Namen Tramuntana. Ein wirklich atemberaubendes Schiff, welches einem auf den ersten Blick sympathisch ist, sei es aufgrund des auffälligen aber angenehmen Designs, oder auch ob der ganzen technischen Raffinessen wie Carbon-Steuerrad und Spibaum, Farbplotter direkt am Steuerstand oder auch das tolle Teakholz-Deck. Um aber auch bei den Wettfahrten das bestmögliche aus dem Schiff herauszuholen, hatten wir neben dem Spi auch noch ein Gennaker an Bord, welches sich aber nicht immer als die beste Wahl erwiesen hat.

An Bord gingen neben Skipper Klaus-Dieter Lachmann und mir natürlich noch ein paar weitere Segelkameraden. Gert Nab und Rainer Gröpper waren bereits frühzeitig als Crew mit eingeplant, Ulrich Grote musste leider kurzfristig absagen, doch mit Ingo Brune hatten wir hier schnell einen guten und ebenfalls hochseefesten Ersatzmann gefunden. So sind wir dann in den Morgenstunden des 21. Mai nach Heiligenhafen aufgebrochen. Die Autobahn war größtenteils frei, so dass wir mit einer kurzen Unterbrechung für ein stärkendes zweites Frühstück, bereits kurz nach Mittag an der Hafenkommandatur eingetroffen sind. Nachdem wir alle Vorräte und Ausrüstungsgegenstände verstaut hatten, die Einteilung der Kabinen war bereits im Vorfeld erfolgt, ging es auch schon los, unter Segel und Motor haben wir in den ersten Hafen übergesetzt, nach Burgtiefe auf der Ostseeinsel Fehmarn. Dort sah man viele zufriedene Gesichter, welche sich über die grundlegend renovierten sanitären Anlagen gefreut haben, zum Glück sind mir die Erfahrungen der vergangenen Jahre somit erspart geblieben, zumindest in diesem Hafen.

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Am Sonntag startete dann auch die erste Etappe über eine Entfernung von 30 Seemeilen, von Burgtiefe in das dänische Gedser am Guldburgsund. Das Wetter war uns gut gestimmt, es wehte eine angenehme Brise und die Sonne zeigte sich auch ein klein wenig. Meine Befürchtungen seekrank zu werden stellten sich zum Glück nicht ein, ob das an den homöopathischen Tabletten mit ihrem Placebo-Effekt gelegen hat, oder ob mein Magen tatsächlich nicht mehr so empfindlich ist wie zu Zeiten der SCI-Jugendtörns, es war auf jeden Fall besser so. Angekommen in Gedser hatten wir gleich einen guten Platz im Hafen ergattert, hier kam uns zugute, dass wir eine hervorragende Zeit herausgesegelt hatten. Nach dem Abendessen machten wir einen kurzen Spaziergang durch den kleinen und gemütlichen Hafen, kamen dann aber gerade noch rechtzeitig am Schiff an, als ein starkes Gewitter aufzog und wir direkt in die Kabine flüchteten mussten. Der Regen prasselte so laut und gleichmäßig auf Deck, dass zum einen Wasser am Mast hereingelaufen ist, zum anderen aber auch Klaus und Rainer zu einem kleinen Schläfchen verleitet wurden, verdienterweise nach einem langen ersten Tag.

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Die zweite Etappe am Montag führte uns dann weiter ins 35 Seemeilen entfernte Stubbekøbing am Grønsund. An diesem Tag herrschte Königswetter, allerdings lief es für uns nicht ganz so prächtig, die gute Platzierung vom Vortag mussten wir leider weit hinter uns lassen. Dies tat der guten Stimmung an Bord allerdings keinen Abbruch und auch Rainer, der an diesem Tag Geburtstag hatte, erfreute sich an seinem Platz hinter dem Steuerrad. Angekommen in Stubbekøbing empfing uns auch schon ein gut gelaunter Hafenmeister, nicht wegen der zu entrichtenden Gebühren, sondern da in diesem Hafen schon der Grill, bzw. mehrere Grilltonnen, auf uns wartete. Da es sich hierbei um einen Fischereihafen handelt, war das festmachen ein wenig anders als gewohnt, so dass alle Boote in Päckchen gelegen haben, teils 8 Boote nebeneinander. So ruhig wie die Boote zum Land hin auch liegen, so laut war es wenn des nächstens die letzten zu ihren Schiffen mussten, da der übliche Weg immer der gleiche war - vom Mittschifff zum Bug zum Mittschiff rüber aufs nächste und wieder von vorne - da das Heck eines jeden Schiffs Privatsphäre ist. Eine tolle Erfahrung und spaßig zugleich. Abgesehen davon ist Stubbekøbing ein wunderschöner Ort, welchen wir natürlich nach dem üppigen Genuss von Steaks, Würstchen und Freibier, ausgiebig zur Verdauung erkundet haben.

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Am Dienstag lag die dritte und längste Etappe vor uns, 50 Seemeilen trennten uns vom schönen Ostseebad Warnemünde. Bis dahin war es aber ein langer und beschwerlicher Weg, auf welchem sich Gert und Ingo am Steuerrad abwechselten. Hohe Wellen und heftige Böen versuchten uns aufzuhalten, aber die Tramuntana lag hervorragend im Wasser und wir konnten eine gute Zeit segeln. Da die Yacht aber einen sehr schlechten Yardstick hat, war unsere Platzierung nicht wirklich akzeptabel, was wir dann doch sehr schade gefunden haben. In Warnemünde angekommen hatten wir Glück und konnten im schönen alten Strom liegen. Dieser kann zwar mit der Modernität im neuen Yachtclub nicht mithalten, aber die zentrale Lage und das Ambiente glichen das mehrfach aus. Wie heißt es so schön – Warnemünde ist immer einen Urlaub wert – das würde ich so direkt unterschreiben. Herausgestellt hat sich dies allerdings erst am Mittwoch, welchen wir als Hafentag nutzen konnten, bei einem ausgiebigen Stadtrundgang. Es herrschte wieder schönstes Frühlingswetter, kaum eine Wolke am Himmel, strahlender Sonnenschein begrüßte uns. Nach einem kurzen auffüllen der Vorräte ging es auch schon direkt zur Prommenade, wo uns ein schön dekorierter Pinot Grigio erwartete. Da die Kellnerin dies allerdings versäumt hatte, musste Gert selbst Hand anlegen an den Früchten. Nach einem entspannten Tag konnten wir uns dann in das abendliche Getümmel stürzen, da am Hafentag das Bergfest gefeiert wird, mit einer ordentlich Party mit viel Tanz und guter Laune. Für einige war die Nacht sehr kurz, dennoch waren am nächsten Tag wieder alle Teilnehmer und Yachten anwesend.

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Die vierte Etappe am Donnerstag führte uns ins 40 Seemeilen entfernte Grömitz, von Klaus liebevoll 'Grömnitz' genannt, ein toller Hafen mit einer langen Promenade und unzähligen Yachten. Auf dieser Etappe war es dann auch endlich soweit, ich hatte an diesem Tag das Steuerruder übergeben bekommen und was soll ich sagen, es hat wirklich einen riesigen Spaß gemacht. Man ist nicht nur einfach der Steuermann in diesem Moment, man fühlt sich schon wie der Kapitän eines riesen Luxusdampfers. Die Platzierung an diesem Tag war erneut im Mittelfeld, so dass wir nun endgültig dem Traum vom erneuten Gesamtsieg der Hessenregatta endgültig abschreiben konnten, was aber auch schon auf der letzten Etappe feststand. An Land angekommen hat Maître Klaus dann auch sogleich sein Handwerk aufgenommen – den Fisch ausgenom

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Freitags lag dann nur noch eine kurze letzte Etappe vor uns, 20 Seemeilen zurück nach Burgtiefe. Direkt nach dem Zieleinlauf sind wir dann auch schon weitergesegelt nach Heiligenhafen, da wir die Tramuntana nun leider wieder abgeben mussten. Nachdem wir die lange Schlange der tankenden Schiffe dann hinter uns lassen konnten, ging es auch schon direkt ans abriggen, saubermachen, packen und ausräumen. Noch eine kurze Stärkung und schon war eine schöne Woche segeln auf der Ostsee zu Ende, abends gegen zehn hat Klaus uns wieder gut zurück nach Hessen gebracht.

Es war eine tolle Erfahrung und ich wünsche den diesjährigen SCI-Teilnehmern an der Hessenregatta viel Spaß, Erfolg und natürlich immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Frank Eiser - Pressewart